Alles wird gut, alles wird schlecht: Trendbarometer versus DHL-Risikobericht

Filme, Musik, Veranstaltungen, Sicherheit und Gefahr – all das wird von Menschen höchst unterschiedlich wahrgenommen. Der bekannte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick erklärt das mit dem selektiven Informationsaufnahmeprozess unseres Gehirns.

Denn von den rund 11 Millionen Bits, die unser Gehirn pro Sekunde erreichen, werden nur lediglich circa 40 Bits bewusst wahrgenommen. Und genau dieser Enkodierungsprozess – der unser Gehirn auch vor einer Art „Systemüberladung“ schützt – funktioniert bei jedem Menschen anders. Stets wird nach persönlichen Vorlieben sowie positiven und negativen Erfahrungen, die für sich natürlich auch subjektiv sind, selektiert. Hieraus ergeben sich auch individuelle Werte und Normen. Kommt ein Mensch zum Beispiel – eben aufgrund seiner Erfahrungen – zu der Ansicht, dass die Welt ein gefährlicher Ort sei, dann wird er auch ausreichend Beweise für diese These sammeln.

Watzlawick bringt es metaphorisch auf den Punkt: „Die Speisekarte ist nicht das Essen.“

Manchmal kann aber auch politisches oder unternehmerisches Kalkül dahinterstecken. Eine Alarmanlage verkauft sich in unsicheren Zeiten schließlich besser als in gefahrlosen. Das ist dann eine ganz bewusste Selektion von Informationen. Genau wie beim emotionalen Selbstschutz: Lieber auch mal was schönreden, als ständig einer Bedrohung ins Auge blicken zu müssen.

Mit diesem Wissen lässt sich vielleicht auch erklären, warum das Trendbarometer 2019 und der DHL-Risikobericht so unterschiedlich ausfallen.

Zur Einordnung

Das Trendbarometer ist eine Umfrage im Vorfeld der Anfang Juni stattfindenden Münchener Logistikmesse transport logistic unter allen bisherigen Teilnehmern. 2.680 Befragte waren das zu dem Zeitpunkt; darunter 1.599 aus Deutschland und 868 aus anderen europäischen Ländern. Der Risikobericht hingegen basiert auf dem DHL-eigenen Analysetool „Resilience360“. Dieses kombiniert über Jahre hinweg gesammelte Lieferkettendaten mit Informationen umfangreicher Risikodatenbanken.

Vom 4. bis 7. Juni findet die transport logistic statt - es werden über 2.000 Aussteller und mehr als 60.000 Besucher erwartet (c) Messe München

Vom 4. bis 7. Juni findet die transport logistic statt – es werden über 2.000 Aussteller und mehr als 60.000 Besucher erwartet (c) Messe München

5.000 Katastrophen in Europa

Laut des DHL-Risikoberichtes lauern überall Gefahren – unter anderem nachzulesen in der Printausgabe 14/19 der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ). Rund 5.000 Katastrophen in Europa sollen das allein in 2018 gewesen sein. Darunter Ladungsdiebstähle, Cyberangriffe, Überflutungen, Dürren, Erdbeben, Unfälle, Überlastungen und Aufstände. Wie die DVZ korrekterweise kritisierte, nennt der Bericht jedoch nahezu keine absolute Zahl. Auch nicht auf Nachfrage.

Für 2019 werden dann insbesondere der Brexit und Importzölle als die größten Risikofaktoren angesehen. Dazu Engpässe bei Rohstoffen wie Lithium und Kobalt, strengere Umweltauflagen und höhere Anforderungen an die Produktsicherheit. (Ja, richtig gelesen, auch Sicherheit wird als Risiko definiert.) Sowie erneut der Klimawandel und Streiks. Auch eine Gefährdung der Flugsicherheit durch Drohnen wird als einer der Top-zehn-Risikofaktoren aufgelistet. Komisch nur, dass der Fachkräftemangel unerwähnt bleibt.

Der Eindruck entsteht: Noch ein Jahr – und dann geht die Welt unter. Also zumindest die Welt der Logistik. Aber immerhin gibt es genügend Fahrer …

Alles positiv

Ein gänzliches anderes Bild zeichnet dagegen das Trendbarometer. Die umfassende Befragung zeigt Zuversichtlichkeit und Gelassenheit. So sehen 43 Prozent die wirtschaftliche Entwicklung – und das sowohl global als auch im speziellen in ihrem eigenen Land – als positiv an. Und 41 Prozent immerhin als gleichbleibend. Auch fühle man sich gewappnet gegenüber Strafzöllen und Handelskonflikten: 61 Prozent haben diesbezüglich ihre Supply Chain schon angepasst oder planen das zumindest zeitnah. 60 Prozent gaben zudem an, eine mögliche Konjunkturtrübung durch Effizienzprogramme abfedern zu wollen. Besonders interessant: Den Brexit – durch den DHL-Risikobericht als größtes Problem definiert – fürchten lediglich 12 Prozent. 50 Prozent sehen sich von einem Austritts Großbritanniens aus der EU nicht mal betroffen.

Risiken, die „Resilience360“ nicht kennt

Gleichsam auffallend: Der im DHL-Risikobericht nicht erwähnte Personalmangel wird von Messeteilnehmern dagegen als größte Herausforderung angesehen. 45 Prozent fürchten einen Fachkräfte- und 33 Prozent konkret einen Fahrermangel.

Auch bürokratische Auflagen – ebenfalls nicht von der DHL identifiziert – werden genannt. Von 25 Prozent der an der Messe teilnehmenden Unternehmen.

Fazit

Gelassenheit. Davon brauchen die einen mehr, die anderen weniger. In jedem Fall sollte man sich bei DHL nicht zu sehr auf Software-Tools verlassen, dann übersieht man auch nicht Risiken wie den Fahrermangel. Und Unternehmen sind gut beraten, sich in der Breite etwas besser abzusichern. „Wir planen da zeitnah was“ ist als Strategie selten ausreichend.

Wir von der HDS International Group verfolgen mit Spannung alle Trends und Entwicklungen in der Logistik – und beraten Sie gern bei der Kostenoptimierung und Planung Ihrer Transporte.

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