Industrie-Lieferketten unter massivem Druck

Die ökonomische Dimension der Coronakrise ist mittlerweile dramatisch. Mit drastischen Einschränkungen bremsen Bund und Länder die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland.

Die ökonomische Dimension der Coronakrise ist mittlerweile dramatisch - doch der Warenverkehr soll fließen. © Pixabay

Die ökonomische Dimension der Coronakrise ist mittlerweile dramatisch – doch der Warenverkehr soll fließen. © Pixabay

Das Gesundheitssystem soll nicht überfordert werden. Gaststätten bleiben nur für To-Go-Gerichte und Auslieferungen geöffnet. Der Einzelhandel wird weitgehend geschlossen, nur noch Stellen des täglichen Bedarfs – Supermärkte, Apotheken, Tankstellen und Banken bleiben weiter geöffnet. Gleichzeitig schickten die erneute Zinssenkung in den USA sowie die Nachricht über den größten Einbruch der Industrie in China seit 30 Jahren die weltweiten Leitindizes erneut auf Talfahrt. Der Dax hat seit seinem Jahreshöchststand bereits über 35 Prozent verloren. Der Star-Ökonom Kenneth Rogoff, der Finanz- und Wirtschaftskrisen der vergangenen 800 Jahre untersucht hat, urteilt „Wir erleben die erste wirklich globale Krise seit der Großen Depression 1929“.

Dabei legt de Corona-Krise die Automobilbranche so gut wie lahm. VW, Daimler, BMW und andere Hersteller stellen die Produktion in Europa zu großen Teilen ein. „Bei einem dreimonatigen Teilstillstand der Wirtschaft könnte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um bis zu 20,6 Prozent schrumpfen – das würde Wohlstandsverluste von bis zu 729 Milliarden Euro bedeuten“, erklärt Prof. Clemens Fuest. „Wir reden hier über Größenordnungen, die weit jenseits dessen liegen, was wir aus der Finanzkrise kennen“, fügt der Präsident des Ifo-Instituts hinzu. Nur wenige Branchen – beispielsweise die Internet-, die Pharma- oder die Lebensmittelindustrie – könnten profitieren. Das Gros der Unternehmen aber werde in diesem Jahr keine Gewinne erwirtschaften können.

Europas Staaten schließen Außengrenzen

Außerdem schließen in Europa zahlreiche Staaten aus Angst vor der Corona-Gefahr ihre Grenzen – doch der Warenverkehr soll fließen. In der Transportbranche sorgt das Coronavirus für noch mehr Verunsicherung als der britische EU-Ausstieg. Und die ohnehin angeschlagene Wirtschaft kann gerade nichts weniger gebrauchen als eine Unterbrechung der fein austarierten, grenzüberschreitenden Lieferketten. Wenn Rohstoffe, Vorprodukte oder Bauteile nicht rechtzeitig ankommen, steht womöglich die ganze Produktion still. „Wir haben von Subunternehmern gehört, dass die Österreicher den Einreiseverkehr aus Italien extrem kontrollieren. Am Brenner gab es 80 Kilometer Rückstau. Das ist schon kritisch“, erklärt ein Speditionsmanager. Auch der Bundesverband des Groß- und Außenhandels berichtet von Staus mit bis zu 80 Kilometern Länge. Hieraus könnten „Abwicklungszeiten von bis zu drei Tagen resultieren“, rechnet ein Sprecher aus. In Tschechien seien mittlerweile Gebiete für Frachttransporte komplett gesperrt worden. „Dies sind bislang nur Einzelfälle, sodass ein grundsätzlicher Versorgungsengpass auch durch die Grenzschließungen zunächst nicht zu erwarten ist“, fügt der Verbandssprecher hinzu. „Es bleibt dennoch festzuhalten, dass vor dem aktuellen Hintergrund eine einheitliche europäische Lösung hilfreicher wäre als nationale Einzelregelungen und Protektionismus.“

Die EU-Kommission hat jetzt Leitlinien für den Güterverkehr im Schengenraum veröffentlicht. Unter anderem empfiehlt sie den Staaten, an den Grenzen separate Fahrspuren für den Lkw-Verkehr zu reservieren. „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden Läden Schwierigkeiten bekommen, ihre Lager mit bestimmten Produkten zu füllen“, erläutert Kommissionschefin Ursula von der Leyen in einem Video. Kein Land könne alle benötigten Produkte selbst herstellen.

Der verkehrspolitische Sprecher der CSU im Europaparlament, Markus Ferber, fordert noch weitreichendere Maßnahmen – etwa die Verankerung einer EU-weiten Ausnahme für den Transport essentieller Waren bei Grenzschließungen. „Bislang werden viele Ladungen unnötig blockiert“, erklärt Ferber. „In einigen Staaten müssen Lkw-Fahrer nach Überschreitung der Grenzen für 14 Tage in Quarantäne. Wenn alle so handeln, haben wir bald keinen Warenaustausch mehr innerhalb der EU. Gerade jetzt, wo die Menschen hochsensibel auf Versorgungsengpässe reagieren, müssen wir diese Blockaden auf jeden Fall verhindern und solidarisch mit besonders betroffenen Mitgliedstaaten sein.“

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