Logistik fährt Lieferketten wieder hoch

Die Corona-Krise und die plötzlichen Schließungen von Grenzen und Betrieben stören die etablierten Lieferketten massiv. Logistiker arbeiten nun daran, das System langsam wieder hochzufahren. Und die Politik versucht eine drohende Kreditklemme zu verhindern.

Logistiker arbeiten daran, Lieferketten langsam wieder hochzufahren. © Pixabay

Logistiker arbeiten daran, Lieferketten langsam wieder hochzufahren. © Pixabay

Seit Anordnung der Kontaktbeschränkungen am 16. März und den damit zusammenhängenden Betriebsschließungen in Deutschland ist das Volumen des Güterverkehrs auf Schiene und Straße um knapp 20 Prozent eingebrochen. Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) und das Zugtechnik-Überwachungsportal Railwatch liefern jetzt valide Zahlen, die die bisherigen Schätzungen bestätigen. Das BMVI nutzt Mautdaten für einen täglichen Index und arbeitet dabei mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie dem Statistischen Bundesamt zusammen. Die Güterzugmengen aus und in die Werke der Automobilindustrie seien wegen der Produktionseinstellungen sogar um 90 Prozent gesunken, stellen die Statistiker fest. Gleichzeitig prognostiziert der Internationale Währungsfonds, dass die die Weltwirtschaft dieses Jahr um drei Prozent und damit stärker als während der Finanzkrise 2008/09 schrumpft.

In diesem Zusammenhang errechnet das Analysehaus Clive Data Services für den Monat März einen Rückgang der globalen Luftfrachtmengen von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und die Seefracht sei im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,5 Prozent zurückgegangen, stellen die Experten von Container Trades Statistics fest. So sieht eine Rezession aus.

Supply Chain an logistischen Knotenpunkten

„Oft kollabiert die Supply Chain derzeit an den logistischen Knotenpunkten, also zum Beispiel an Häfen oder Flughäfen“, erklärt Heiko Schwarz, Managing Director bei Riskmethods. Und nicht immer gerieten Lieferketten ins Wanken, weil die eigenen Lieferanten ausfielen. Auch Zwischenlagen, Logistikanbieter oder Sub-Lieferanten seien anfällig. „Je größer das Unternehmen ist, desto mehr Lieferkettenstörungen sind mit einkalkuliert“, sagt Schwarz. Bei Daimler und BMW seien das laut Geschäftsbericht 1,5 bis 2 Milliarden Euro im Jahr. Die Unternehmen rechneten mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 33 bis 50 Prozent. „Viele Mittelständler haben einen solchen Puffer in ihren Planungen aber nicht“, weiß Schwarz.

Damit deutsche Firmen in der Corona-Krise nicht auf unbezahlten Rechnungen sitzen bleiben und die Lieferketten nicht endgültig reißen, spannt die Bundesregierung jetzt einen milliardenschweren Schutzschirm. Ziel ist es, einen reibungslosen Warenverkehr aufrechtzuerhalten. Der Staat übernimmt für das Jahr 2020 Garantien für Kreditversicherer von bis zu 30 Milliarden Euro, wie das Bundeswirtschafts- und das Finanzministerium mitteilten.

Warenkreditversicherer ersetzen Unternehmen Ausfälle, wenn Kunden die gelieferten Produkte nicht bezahlen können oder wollen. In der Corona-Krise sind solche Versicherungen aber weniger leicht verfügbar, weil das Risiko für die Versicherer größer wird. Das soll durch die deutsche Garantie abgemildert werden. „In deutschen Unternehmen war die Sorge gewachsen, bei künftigen Exporten auf unbezahlten Rechnungen sitzen zu bleiben“, erläutert DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Für viele Unternehmen ist diese Krise bedrohlich, weil sie keine Aufträge mehr erhalten“, stellt auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier fest. „Und wenn noch Aufträge da sind, ist ungewiss, ob der Kunde am Ende zahlen kann. Deshalb sorgen wir mit einem Schutzschirm in Höhe von 30 Milliarden Euro dafür, dass Kreditversicherer weiter für etwaige Zahlungsausfälle einstehen und tragen dazu bei, die Lieferketten in Deutschland und weltweit aufrechtzuerhalten.“ Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft vertritt die Auffassung, die Kreditversicherer könnten durch die Garantie des Bundes höhere Risiken eingehen, als es durch die tatsächliche Risikobewertung gerechtfertigt wäre. „Das stabilisiert die Lieferketten, verhindert Kettenreaktionen und sichert das Vertrauen in die Stabilität der Wirtschaft.“

Industriepräsident Dieter Kempf hat Bund und Länder jetzt aufgefordert, Planungssicherheit für das Wiederhochfahren der Wirtschaft in der Corona-Krise zu schaffen. Für den erfolgreichen Hochlauf der industriellen Produktion in Deutschland sei das gleichzeitige Funktionieren internationaler Logistik- und Mobilitätsketten unabdingbar, sagte Kempf weiter. Neben dem Seeverkehr betreffe dies vor allem den Luftverkehr. „Weil über ein Drittel des deutschen Außenhandelswertes per Luftfracht und rund die Hälfte aller Luftfrachtsendungen in Passagiermaschinen als Beifracht transportiert werden, muss die Regierung auch die Wiederaufnahme des internationalen Reiseverkehrs in einem eng kontrollierbaren Rahmen prüfen.“

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