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Hohe Energiepreise belasten Logistik

Der Ukraine-Krieg belastet die Lieferketten auf der Straße, in der Luft und auf dem Seeweg. Und während die deutschen Spediteure den Schock über den zuletzt sprunghaft verteuerten Diesel-Kraftstoff noch verkraften müssen, rollt auf die Branche zu bereits die nächste Belastung zu: Das Dieseladditiv Adblue verteuert sich extrem.

Die seitdem Ukraine-Krieg stark verteuerte Energie belastet deutsche Unternehmen im Bereich Logistik und Verkehr. „Die hohen Energiepreise zwingen die Logistikbranche in die Knie“, warnt bereits jetzt Carsten Taucke, Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Derzeit könnten die Unternehmen die erhöhten Kosten wegen der rasanten Geschwindigkeit gar nicht so schnell an die Kunden umwälzen. Aber für die Endverbraucher müsse letztlich klar sein: „Es wird auf jeden Fall sehr, sehr teuer.“

Spediteure litten derzeit darunter, dass sich etwa der Dieselpreis zum November 2020 verdoppelt habe. „Hier sehen wir Unternehmer existenziell bedroht, die ihre Fahrzeuge nicht mehr bewegen können.“ Die beschlossene Senkung der Mineralölsteuer sei richtig, aber auf drei Monate befristet und reiche nicht aus. „Um die Versorgung der Bevölkerung nicht zu gefährden, muss eine Insolvenzwelle in der Transportbranche abgewendet werden“, fordert Taucke. Die Unternehmen trügen zwar die Sanktionen des Westens gegen Russland mit, spürten aber zusätzliche Belastungen. Neben kräftig steigenden Kosten bei Energie und beim Einkauf nehmen demnach Logistik-, Finanzierungs- und Versicherungsprobleme zu. „Es kommt zu ganz konkreten Lieferausfällen, etwa bei Holz, Stahl und Aluminium“, erklärt Taucke. Die Sanktionen beeinflussten die Lieferketten in einer für den Transport zwischen Asien und Europa wichtigen Region. Das treibe die Kosten stark hoch. Denn etwa die Sperrung des russischen Luftraums mache Umwege nötig: Flugzeuge müssen mehr Treibstoff mitführen, was die Frachtkapazitäten reduziert. „In Folge des Krieges in der Ukraine gehe ich von einer weiteren Steigerung der Frachtraten aus“, prognostiziert der Chef des BGA-Verkehrsausschusses. Zudem mache der Logistik Personalmangel zu schaffen. „Viele Fahrer stammen aus der Ukraine und Russland.“ Die Ausfälle könne man nicht ersetzen. Denn „in Deutschland fehlen aktuell rund 60 000 bis 80 000 Berufskraftfahrer.“

Dieseladditiv Adblue zum Rekordpreis

Nach mehr als einem Monat Krieg zeigen sich inzwischen den Kieler IfW-Forschern zufolge immer mehr negative Folgen für den globalen Handel. Der Konflikt treffe fast alle Volkswirtschaften und den gesamten Welthandel deutlich, teilte das Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit. Für China stehen die Signale beim Handel demnach auf Stagnation. Besorgniserregend sei der deutliche Anstieg der weltweiten Containerschiffstaus, der auch auf Lockdowns in China, wie in der Metropolregion Shanghai, zurückzuführen sei. Denn China bekommt die Folgen seiner strikten Null-Covid-Politik immer stärker zu spüren. Die Geschäfte der Dienstleister liefen im März so schlecht wie seit Beginn der Pandemie vor gut zwei Jahre nicht mehr, wie eine Firmenumfrage zeigt.

Die Lieferketten auf der Straße, in der Luft und auf dem Seeweg sind durch den Ukraine-Krieg belastet. Gleichzeitig verdienen aber große Linienreedereien derzeit glänzend daran, dass Frachtpreise wegen knapper Kapazitäten steigen. Und während der Schock über den zuletzt sprunghaft verteuerten Diesel-Kraftstoff bei deutschen Spediteuren noch tief sitzt, rollt jetzt die nächste Belastung auf die Branche zu: Das Dieseladditiv Adblue, das zum Betrieb von Lkws unerlässlich ist, verteuerte sich in den vergangenen Wochen auf ein bisher kaum vorstellbares Rekordniveau. Kosteten 100 Liter Adblue in früheren Zeiten nur gut 13 Euro, klettern die Preise für den Abgasreiniger seit dem vergangenen Jahr steil nach oben. Mittlerweile liegen sie bei 76 Euro für 100 Liter. Insbesondere der Ausbruch des Ukrainekriegs hat die Kosten noch einmal verdoppelt, wie Berechnungen des Branchendiensts Argus Media zeigen. Dass AdBlue in Deutschland teurer ist und mancherorts sogar ausverkauft ist, liegt an den hohen Gaspreisen. Da Gas für die Herstellung von Ammoniak, dem Grundstoff für AdBlue, benötigt wird, haben die ersten Chemiefabriken, wie der Riese BASF, ihre Produktion gedrosselt. Andere AdBlue-Hersteller haben ihre Produktionsstätten aufgrund des enormen Anstiegs der Energiekosten geschlossen. Nach Einschätzung des BWVL Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik droht durch die Preissteigerungen bei Adblue von bis zu 170 Prozent damit eine weitere erhebliche Belastung der Lieferketten. „Die explodierenden Preise für das Dieseladditiv Adblue könnten die Transporte nicht nur für unsere Unternehmen aus Industrie und Handel im Werkverkehr ebenso belasten, wie die bereits massiv gestiegenen Dieselkosten“, prognostiziert deshalb BWVL-Hauptgeschäftsführer Markus Olligschläger.

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Transporte werden teurer

Der russische Angriffskrieg trifft die Logistikbranche mit voller Wucht: Tausende ukrainische Lkw-Fahrer fehlen, der Bahn- und Schiffsverkehr wird gestört. Die Transporte werden teurer, vor allem wegen der sprunghaft gestiegenen Kraftstoffpreise aber auch wegen höherer Fahrergehälter.

Der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) befürchtet Engpässe bei Lkw-Transporten infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. „Lkw-Fahrer aus der Ukraine, aus Polen, Belarus und Russland stehen für den europäischen Markt kaum noch zur Verfügung“, heißt es in einem internen Papier des Spitzenverbandes der Speditions- und Logistikbranche, über das das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtete. „Die europäischen Frachtkapazitäten im Straßengüterverkehr sind […] hierdurch um bis zu sieben Prozent eingeschränkt.“
Der europaweit ohnehin schon bestehende Fahrermangel werde durch die Krise weiter verschärft, warnen die Verfasser. „Allein in Polen waren vor Kriegsausbruch rund 100.000 ukrainische Fahrer beschäftigt. […] Werden den europäischen Straßengüterverkehrsmärkten weitere ukrainische, russische, belarussische sowie osteuropäische Lkw-Fahrer entzogen, wird das zu weiteren Laderaumengpässen führen.“ Brancheninsidern zufolge heuern polnische Speditionen zurzeit verstärkt polnische Fahrer an, um Ukrainer zu ersetzen, die nun im Krieg mitkämpfen müssen oder wollen. Diese polnischen Kraftfahrer fehlen dann wiederum ihren bisherigen Arbeitgebern, etwa deutschen Transportbetrieben. Die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern sei zurzeit gewährleistet, erklärt DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster.
Allerdings würden die Transporte teurer – wegen höherer Fahrergehälter und vor allem wegen der sprunghaft gestiegenen Kraftstoffpreise. So sei die Bahnverbindung über die Ukraine in Richtung Osten unterbrochen, über Russland und Belarus dagegen noch nicht. „Weitere Behinderungen […] auf russischem Territorium können die Beschaffungswege europäischer Industriebetriebe und Handelshäuser empfindlich stören“, heißt es in dem Papier. Der Seeverkehr könne diese Störungen des transeurasischen Schienengüterverkehrs angesichts eigener Engpässe nicht mehr auffangen, schreiben die Verfasser: „Im Vorgriff auf mögliche EU-Sanktionsbestimmungen (Einlaufverbot für Schiffe unter russischer Flagge) nehmen die Häfen Hamburg, Rotterdam und Antwerpen heute bereits aus Russland kommende oder für Russland bestimmte Container nicht mehr an, wodurch das operative Handling zusätzlich gestört wird.“ Und durch erneute Corona-Lockdowns in China seien die Abfertigungen in zwei großen Häfen der Volksrepublik zusätzlich ins Stocken geraten.

Mit den Energiekosten steigen die Transportkosten

Laut dem internen DSLV-Papier verteuern sich Logistik- und Transportdienstleistungen sämtlicher Verkehrsträger derzeit spürbar. Und: „Die Preisentwicklung für logistische Dienstleistungen wirkt bereits auf das Preisniveau von Industrie- und Konsumgütern.“ Zwar könne der Effekt der Wirtschaftssanktionen sowie die Schließung von Produktionsstandorten theoretisch zu einer niedrigeren Nachfrage nach Transporten und einer Angleichung an das geringere Angebot führen, heißt es in dem Papier. Dies aber könne nicht zuverlässig prognostiziert werden.

Gleichzeitig steigen schon seit Monaten die Preise für fossile Rohstoffe. Durch Putins Krieg sind die Preise noch einmal zusätzlich explodiert. Noch 2015, so hat es der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ausgerechnet, zahlte ein mittleres Unternehmen aus der Glasindustrie im Schnitt 100.000 Euro pro Monat für seine Energieversorgung. Jetzt ist dafür der fünf- bis sechsfache Betrag fällig. Jedes zweite Unternehmen im Land muss seine Strom- und Gasversorgung für das laufende Jahr noch absichern – ist also von den steigenden Kosten betroffen. Und es könnte noch schlimmer kommen. In den Konzernzentralen wächst die Angst vor einem völligen Importstopp für fossile Energien aus Russland. Entweder durch ein Embargo oder weil der russische Präsident Wladimir Putin irgendwann selbst den Gashahn zudrehen könnte. Die Deutsche Bank hat ihre Wachstumsprognose für die heimische Industrie um 40 Prozent gesenkt, das Institut für Weltwirtschaft in Kiel rechnet nur noch mit 2,1 Prozent Wachstum für die gesamte Volkswirtschaft. Auch eine Rezession halten die ersten Experten nicht mehr für ausgeschlossen. Von den Folgen des Ukrainekriegs getroffen werden erstmal vor allem energieintensive Betriebe getroffen: Chemie-, Zement-, Stahl-, Aluminium-, Glas- oder Papierfabriken.

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