Lagerhallen sind bis zur Decke gefüllt

In der Nordsee stauen sich Containerschiffe, Häfen werden zu Lagerplätzen. Bei Logistikern sind Stellplätze mittlerweile Mangelware. Der neue Normalzustand ist, dass nichts mehr geordnet läuft.

Die Auswirkungen des Schiffsstaus sind am Containerterminal Altenwerder im Hamburger Hafen leicht zu erkennen: Wo früher vier Container übereinandergestapelt waren, sind es nun fünf oder sechs. Die Containerschiffe treffen durchschnittlich hier mit zehn Tagen Verspätung im Hafen ein. Auch danach laufe die Abfertigung schleppend, erläutert Hans-Jörg Heims, Sprecher des Hamburger Hafenkonzerns HHLA. Aber „ein Hafen ist kein Lagerplatz, sondern es ist ein Umschlagbetrieb. In normalen Zeiten braucht so ein Container zwei bis drei Tage, bis er wieder raus ist. Im Augenblick sind wir bei sechs bis sieben Tagen“. Es seien vor allem die Importcontainer, die sich stauten, da diese nicht in das Hinterland abtransportiert würden. Die Gründe dafür sind vielfältig: von Baustellen im Straßen- und Eisenbahnverkehr über Personalengpässe bei Lkw-Fahrern bis hin zu Streiks der Hafenarbeiter.

Bei den Logistikern sind die Lagerhallen bis zur Decke gefüllt, neue Stellplätze sind Mangelware. „Der neue Normalzustand ist, dass nichts mehr geordnet läuft“, erklärt der Logistiker Adam Dachowski von ECL Kontor. Versprechungen, Ware zur richtigen Zeit beim Kunden anzuliefern, seien schwer möglich, „weil die Ware sich schon im Eingang verzögert“. Außerdem müssten immer mehr Güter zwischengelagert werden, wenn es zu Verspätungen in einem Teil der Lieferkette kommt. „Die Lagerkapazitäten sind maximal gefüllt. Und das ist nicht nur bei uns so, sondern so gut wie bei jedem Lagerhalter im Hamburger Hafen“, fügt Dachowksi hinzu. Früher hätte man immer 20 bis 30 Prozent Kapazitätsspielraum gehabt, jetzt sei man froh, wenn man nur zehn oder 20 Paletten in das Lager bekomme.

Importe leiden unter politischer Unsicherheit

Der Welthandel leidet immer mehr unter den politischen Unsicherheiten. Russlands Krieg gegen die Ukraine habe die Erholung des Welthandels von der Pandemie abgewürgt, ist die Welthandelsorganisation überzeugt. Auch die neuen Corona-Beschränkungen in China führen wieder zu Störungen in den Lieferketten vieler Unternehmen. „Der Lockdown in Shanghai wird sich in einigen Wochen durch erneute Schiffsstaus in der deutschen Bucht bemerkbar machen“, warnt Hans-Jörg Heims. Inzwischen bemerken Experten immer öfter ein Umdenken in den Lieferketten: weg von „Just-in-Time“-Prozessen, die sich an möglichst niedrigen Kosten bei möglichst hoher Effizienz orientieren. „Wir müssen überlegen ob Just in Time noch realistisch ist oder ob wir nicht in Europa für bestimmte Güter vor Ort Produktionsstäten aufbauen sollten“, meint auch HHLA-Sprecher Heims. Deutschland sei allerdings ein Hochlohnland. Es sei also auch eine Frage der Kosten, ob man alles nach Europa verlagern wolle. Auch Vincent Stamer, Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), rechnet aufgrund der Lieferengpässe seit Beginn der Pandemie mit mehr Diversifikation der Lieferketten und höherer Lagerhaltung. Ein absolutes Ende von „Just in Time“ sehen sowohl Heims als auch Stamer allerdings nicht. Für die Exportnation Deutschland wäre eine Abkehr vom Welthandel auch fatal. Denn rund jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt vom Export ab und gleichzeitig ist Deutschland als rohstoffarmes Land auf Importe angewiesen, vor allem im Energiebereich.

Die Schwierigkeiten durch fehlende Vorprodukte und teure Rohstoffe aus dem Ausland haben die Produktion bereits verteuert. Jetzt könnte zunehmend auch die Nachfrageseite betroffen sein, wenn zum Beispiel China oder Russland weniger Maschinen und andere Industriegüter aus Deutschland bestellen. Ökonomen rechnen bereits mit weniger Wachstum aufgrund der Lieferschwierigkeiten. Gleichzeitig spielen geopolitische Überlegungen im globalen Handel und den Geschäftsbeziehungen der Unternehmen jetzt wieder eine größere Rolle. Unternehmen etwa überlegten genauer, in welche Zielländer sie investieren und mit welchen Partnern sie Geschäftsbeziehungen aufbauen, so Handelsexperte Vincent Stamer. „Es gibt wieder eine Tendenz, mehr mit den westlichen Ländern ins Geschäft zu kommen, dass man eben nicht nur einen Lieferanten aus China hat, sondern auch aus Osteuropa, vielleicht sogar irgendwann aus Indien oder Mexiko“, prognostiziert Stamer.

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Jens Theophort

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